Ivano Vitali
Bildhauer und
Performer, hat seit jeher ein besonderes Verhältnis zu Bäumen.
Zu ihrem Schutz
verwendet er daher für seine Kreationen ausschließlich Zeitungspapier.
Seine umweltfreundliche
Kunst des Vergänglichen der Schaffensperiode in Impruneta (1974-83) recycelt
bei den ersten Perfomances und
Installationen Papier- und Plastiktüten, Zeitschriften, Tageszeitungen,
Schachteln, Eierschalen, Stöcke, Stanniolpapier, Seifenstücke, gebrauchte
Patronen etc. Sie wird beständiger Bezugspunkt für die 90er-Jahre und lebt noch
heute wieder auf in den Werken und Performances mit bedrucktem Papier.
Im Jahr 1996 gibt
Ivano die Arbeit mit verschiedenen Materialien auf und widmet sich nun
ausschließlich der Wiederverwertung bedruckten Papiers.
In seinen
Performances kleidet er sich in Gewänder
aus gerissenen Zeitungspapierstreifen oder entwirft große Säcke aus
Zeitungspapier, die er in der Luft fliegen lässt oder aufbläst, damit Personen
hineingehen können. Außerdem realisiert er Skulpturen aus Zeitungspapier-Maché,
welches er modelliert und dann an der Sonne austrocknen lässt.
Um seine
Kreativität besser vermitteln zu können, setzt er1998 selbst erstellte
Webseiten mit Fotos seiner Werke ins Internet., 2002 beginnt eine neue Etappe
seines künstlerischen Wegs, als er beschließt von der Mutter das Stricken und
Häkeln zu lernen. So beginnt er, Zeitungsseiten in Garnknäuel jeglicher Größe
zu verwandeln. Sie entstehen, indem er Streifen für Streifen - ohne
Verwendung von Schere, Klebstoff oder
Wasser - aneinanderfügt und aufwickelt.
Die vollendete Arbeit erlaubt dem Betrachter Wörter und Buchstaben der
verwendeten Zeitung zu lesen. Jedes Werk wird so zum Archiv, das einen Moment
unserer Geschichte bewahrt.
Der Verzicht auf
jegliche zusätzlich beigefügte Farbe führt dazu, dass die Knäuel, Gewänder und
Wandteppiche auf die verwendeten Zeitungen zurückführbar sind. während die
monochromen Stücke das Resultat gezielter Farbauswahl von Werbeannoncen sind.
Techniken und
Werkzeuge sind traditionell: Flechten, Stricken, Häkeln, Webrahmen, Strick- und
Häkelnadeln.
2005 hat Ivano
begonnen, mit von ihm selbst entworfenen Riesenstrick- und -häkelnadeln aus
Holz sehr große Objekte zu schaffen; besonders zu erwähnen sind hier die
„zoom-in“, gigantische Strickstücke mit
XXL-Stricknadeln und Riesen-Garnknäuel, die „tape-stries“,
gleichzeitig
Wandteppich und Archiv, die „tape-centres“, von denen einige als Poncho zu
tragen sind sowie gigantische Socken und Handschuhe.
Die Performances
der letzten Periode sind manches Mal veritable Modenschauen: Ivano spinnt
Papierfäden, strickt und zieht die Maschen wieder auf, häkelt, führt seine
Zeitungsgewänder selbst vor oder aber lässt sie vorführen, reißt die Zeitungen
und spielt damit um die vielfältigen Töne, die das Papier erzeugen kann, hörbar
zu machen.
Ivano Vitali ist
1952 in Argenta (Ferrara) geboren und wohnt in Florenz.
2000
präsentiert er
die „Modenschau der Alltagskleider“
Im Teatro della
Limonaia der Villa Strozzi in Florenz anlässlich des von ihm betreuten ersten
Festivals der Performance.
Auf der „Ruralia“
der Villa Demidoff in Pratolino stellt er, auf Einladung von Legambiente, die
Performance „Der Sack, das Seil und der Ballen“ vor.
2003
nimmt er als
Performer am Projekt „Brain Academy Apartment“ in der Abteilung „Extra 50“ der
Biennale Arte Visive von Venedig teil, in dem er ein Gewand aus
Zeitungspapierfäden vorführt, das teils aus Papierfäden gestrickt und teils mit
afrikanischem Webrahmen gefertigt wurde.
2005
stellt er mit
„Metacarta“ Kleider aus Zeitungspapier aus im Teatro della Pergola von Florenz
und bei der „Eco-Efficiency Biennal“ im Lingotto in Turin.
2006
präsentiert er „Zeitungspapiermaschen
als Rüstung“ am Museo Stibbert in Florenz.
2008
wird er zur eingeladen, anlässlich der
Holland Papier-Biennale im Rijswijk Museum auszustellen sowie beim CODA. Museum
in Apeldoorn, wo er außerdem die Performance „Paper Music Live“ präsentiert.
Ebenfalls 2008
stellt er anlässlich der 6. Internationalen Triennale de
la Tapisserie et des Arts de Tissu im Musée des Beaux Arts von Tournai in
Belgien aus,
Im gleichen Jahr präsentiert
er eine Einzelausstellung jüngster Werken in der Villa Medicea di Cerreto Guidi
(Florenz)
2009
nimmt er teil am
Projekt „Von Abfall zur Kunst:: umweltfreundliche Praktiken“ im Zentrum für
zeitgenössische Kunst Luigi Pecci in Prato. Im gleichen Jahr findet in der
Kunstgalerie Farneti in Forlì seine
Einzelausstellung „Der Faden der Tradition“ statt..
2010
präsentiert er in
der Antica Farmacia di Santa Maria Novella in Florenz die Modenschau „Die
Schrift anziehen“; außerdem nimmt er teil mit der Gruppe A.R.F. an der
Ausstellung „Es war die Ära der Kopiermaschine“ des Marino-Marini- Museums in
Pistoia.
Bei gleicher
Gelegenheit stellte er auch die Performance „tragbare Skulptur“ vor und
im selben Jahr
präsentiert er seine Werke in der Sammlung „A thousand plots“ der Galerie
Eleonora d’Andrea Contemporanea und im Museo del Tessuto von Prato.
Im Dezember 2010
gastiert er auf Einladung des „Blue Star Contemporary Art Center“ von San
Antonio mit Performance und Modenschau in Texas, USA.
Übersetzt von Andrea Zimmer